- Podcast
- Kassenzone
- Gast
- Andre Alpar
- Erschienen
- , rund 55 Minuten
In der Folge spricht Alexander Graf mit Andre Alpar, der eine große Suchmaschinenagentur aufgebaut und verkauft hat und heute als Beirat berät. Die beiden haben vor über zehn Jahren schon „SEO ist tot“ ausgerufen, jetzt geht es um GEO. Alpar hat ein Buch über Generative Engine Optimization geschrieben. Das ist kein Einwand gegen seine Thesen, aber gut zu wissen. Die Zusammenfassung unten ist unsere, in eigenen Worten; für den genauen Wortlaut lohnt die Folge selbst.
Was sind die Kernaussagen?
- GEO ist nicht dasselbe wie SEO. Alpar teilt SEO in fünf Bereiche: Strategie, Monitoring, Technik, Inhalte und Off-Page. Google spreche öffentlich nur über Technik und Inhalte, und genau dort überschneiden sich SEO und GEO stark. In den übrigen drei Bereichen seien die Unterschiede groß.
- Off-Page wiegt schwerer. Bei klassischem SEO schätzt er das Verhältnis von Arbeit auf der eigenen Seite zu Arbeit auf fremden Seiten auf etwa halb und halb, bei GEO auf ein Drittel zu zwei Dritteln. Sein Bild: Die KI fragt gewissermaßen die Sitznachbarn, wer man ist. Es zähle die Erwähnung im passenden Zusammenhang, ob mit oder ohne Link.
- Messen geht nur aus mehreren Richtungen. Er nennt das Verfolgen ausgewählter Fragen (Prompt-Tracking), die Berichte in Search Console und Bing Webmaster Tools, Direktzugriffe auf tiefe Unterseiten und vor allem die Frage an Kunden, wie sie auf einen gekommen sind. Aus seinen Fällen: Im B2B-Geschäft sei der messbare KI-Anteil meist unter 1 %, beim Nachfragen nenne teils ein Drittel ein KI-System.
- KI verlinkt oft nur die Startseite. Die Systeme lesen viele Unterseiten, schicken Besucher aber meist auf die Startseite. Er hält das für einen Übergang.
- Listen wie „Die 10 besten …“ wirken gerade stark. Er sieht darin eine Lücke, keine Strategie, und ein Risiko für den Ruf, wenn erfundene Listen auffliegen.
- Beratung im Dialog statt Kauf-Agenten. Vollautomatische Einkaufs-Agenten bleiben aus seiner Sicht vorerst eine Nische für einfache Nachbestellungen. Den größeren Hebel sieht er in der Beratung im Gespräch mit der KI.
- Budget für Händler. Für einen Händler mit 20 Millionen Euro Umsatz schlägt er je ein Drittel für Inhalte auf der eigenen Seite, für klassische Off-Page-Arbeit und für GEO-Versuche vor.
Was deckt sich mit unseren Messungen?
Vor allem der Schwerpunkt auf fremden Quellen. In unserer Messung in neun Branchen vom September 2026 zitierte die ChatGPT-App bei der Frage nach einem lokalen Betrieb die Website des Betriebs nur in 13 % der Antworten mit Quellen. Getragen wurden die Antworten von Bestenlisten, Verzeichnissen und dem Google-Unternehmensprofil. Für einen lokalen Betrieb heißt Off-Page also vor allem: Profil, Bewertungen und die Plattform der eigenen Branche.
Auch die Herkunftsfrage halten wir für den einfachsten und ehrlichsten Messpunkt, gerade für kleine Betriebe ohne Analyse-Werkzeuge. Alpar warnt vor erfundenen Bestenlisten; wir raten außerdem von gekauften Erwähnungen, Seiten für jeden Nachbarort und llms.txt als Wundermittel ab.
Wo sehen unsere Daten anders aus?
An drei Stellen, wobei wir oft etwas anderes gemessen haben als er beschreibt.
- Wie ähnlich sich die Systeme sind. Alpar sieht in seinen Fällen rund 80 % Überschneidung zwischen ChatGPT, Gemini und Perplexity. In unserer Selbstmessung vom 28. September 2026 überschnitten sich die zitierten Domains zweier KI-Oberflächen je Frage im Median nur zu 4 bis 8 %. Möglich ist, dass er genannte Marken meint und wir zitierte Quellen. Beides kann gleichzeitig stimmen: ähnliche Namen in der Antwort, verschiedene Quellen dahinter.
- Startseite oder Unterseite. Bei Fragen nach dem Preis zitierten 84 % der ChatGPT-Antworten mit Quellen Seiten von Betrieben, und 13 der 15 meistzitierten waren Unterseiten. Als Quelle dienen also oft Unterseiten. Ob Besucher aus KI-Antworten trotzdem meist auf der Startseite landen, haben wir damit nicht gemessen.
- Der Link ist nicht egal. Viele KI-Antworten holen ihre Quellen über die Suchindizes von Google und Bing, und dort zählen Links weiter für die Reihenfolge. Laut einer Auswertung von Gelbe Seiten (Anbieterstudie eines Verzeichnisses) wird der Betrieb auf Platz 1 der Suche in 49 % der KI-Antworten genannt, der auf Platz 10 in 9,8 % (September 2026). Auf Backlinks zu verzichten, halten wir deshalb für verfrüht.
Was nehmen wir für lokale Betriebe mit?
Die Drittelung des Budgets passt für Händler und Marken mit eigenem Marketingbudget, nicht für einen Handwerksbetrieb. Dort bleibt es bei den Grundlagen aus unserer Checkliste: Profil, Bewertungen, Branchenplattform, eine Seite je Leistung mit Preis und Ort. Aus der Folge nehmen wir vor allem eines mit: Die Herkunftsfrage gehört fest in jedes Anfrageformular.